Examen
Obwohl während der Ausbildung gesiebt worden war, waren wir immer noch mehr als dreißig Schülerinnen. Ein zahlenmäßig ungewöhnlich starker Kurs
Das Schlimme daran war, dass wir geteilt wurden. Irgendwelche Vorschriften lassen es nicht zu, so viele mündliche Examen an einem Tag abzunehmen. Dem ABC sei Dank, kam ich am ersten Tag dran.
Gott war mit schlecht…..Durch meine Dauerübelkeit zu der Zeit hatte ich aufgehört zu rauchen. Aber ich mußte Eine qualmen. Mir wurde nur noch schlechter, und nach zwei Zügen was das Thema beendet.
Ich erinnere mich nur noch seeeeeehr dunkel an die Fragen, aber sehr gut an das Drumherum. Natürlich war ein Hühnerhaufen nichts gegen uns. Das kann man sich denken. Eine unsere Afrikanerinnen hatte gerade entbunden, und die Zweite lag sozusagen in den Wehen. Sie waren durch Sondergehmigungen trotz Mutterschutz zugelassen worden Elsa hat wirklich am Tag nach dem Mündlichen entbunden.
Es gab mindestens zwei Wackelkandidaten, aber beide der Schulleitung sehr zugetan.
Am Ende des Tages stand fest, dass wir alle bestanden hatten. Die Note war mir völlig egal. So richtig freuen konnten die Meisten sich aber trotzdem nicht, denn da waren noch die Kolleginnen. Meine Zimmergnossinnen und meine Freundin waren erst am nächsten Tag dran…..ohmann!!!
Wir haben alle bestanden. Die Lieblinge mit Vier Minus, was eigentlich ein Fünf und durchfallen gewsen wäre. Kontakte sind alles, auch damals schon.
Da die Prüfungstermine sehr spät lagen, hatten wir nur noch wenig Zeit zum Feiern und Ausziehen.
Auf den Vater meines Kindes möchte ich nicht weiter eingehen. Zu diesem Zeitpunkt kam er nicht vor. Ich hatte beschossen das Leben mit Kind alleine zu stemmen. Moral von 1973 hin oder her. Dazu komme ich noch.
Nach den Examen war die Hölle los. begeisterte Eltern, Telegramme, Riesengeschenke und nicht zu vergessen unsere Erleichterung.
Mein Vater gehörte leider nicht zu den Begeisterten. Er setzte einfach voraus, dass man Prüfungen besteht. Meine Mutter ist früh gestorben, und meine Stiefmutter stand mir nicht sehr nahe.
Nunja, er hat zumindest angerufen, und sich unter Protest bereit erklärt, mich abzuholen. Meine Oma wurde an dem Tag siebzig Jahre alt, und natürlich wollte ich dabei sein. Damals hatten nicht sehr viele Leute ein Telefon. Mein Oma schon dreimal nicht. Also war mein Hebammexamen quasi ihr Geburtstgsgeschenk.
Wie ich nun meiner Families meine Schwangerschaft beibringen sollte, war mir noch unklar.
Die letzten Wote der Schulleiterin an mich waren: “Naaaaaaa???? Und Duuuhuuuuuuu??? Was willst Du jetzt machen?” Natürlich begleitet von ihrem typischen Grinsen.
“Das geht Sie nur wirklich nichts mehr an” war meine Antwort, meinerseits begleitet von einem inneren Laubhüttenfest. Ich feier es heute noch.