Examen

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Obwohl während der Ausbildung gesiebt worden war, waren wir  immer noch mehr als dreißig Schülerinnen. Ein zahlenmäßig ungewöhnlich starker Kurs

Das Schlimme daran war, dass wir geteilt wurden. Irgendwelche Vorschriften lassen es nicht zu, so viele mündliche Examen an einem Tag abzunehmen. Dem ABC sei Dank, kam ich am ersten Tag dran.

Gott war mit schlecht…..Durch meine Dauerübelkeit zu der Zeit hatte ich aufgehört zu rauchen. Aber ich mußte Eine qualmen. Mir wurde nur noch schlechter, und nach zwei Zügen was das Thema beendet.

Ich erinnere mich nur noch seeeeeehr dunkel an die Fragen, aber sehr gut an das Drumherum. Natürlich war ein Hühnerhaufen nichts gegen uns. Das kann man sich denken. Eine unsere Afrikanerinnen hatte gerade entbunden, und die Zweite lag sozusagen in den Wehen. Sie waren durch Sondergehmigungen trotz Mutterschutz zugelassen worden  Elsa hat wirklich am Tag nach dem Mündlichen entbunden.

Es gab mindestens zwei Wackelkandidaten, aber beide  der Schulleitung sehr zugetan.

Am Ende des Tages stand fest, dass wir alle bestanden hatten. Die Note war mir völlig egal. So richtig freuen konnten die Meisten sich aber trotzdem nicht, denn da waren noch die Kolleginnen. Meine Zimmergnossinnen und meine Freundin waren erst am nächsten Tag dran…..ohmann!!!

Wir haben alle bestanden. Die Lieblinge mit Vier Minus, was eigentlich ein Fünf  und durchfallen gewsen wäre. Kontakte sind alles, auch damals schon.

Da die Prüfungstermine sehr spät lagen, hatten wir nur noch wenig Zeit zum Feiern und Ausziehen.

Auf den Vater meines Kindes möchte ich nicht weiter eingehen. Zu diesem Zeitpunkt kam er nicht vor. Ich hatte beschossen das Leben mit Kind alleine zu stemmen. Moral von 1973 hin oder her. Dazu komme ich noch.

Nach den Examen war die Hölle los. begeisterte Eltern, Telegramme, Riesengeschenke und nicht zu vergessen unsere Erleichterung.

Mein Vater gehörte leider nicht zu den Begeisterten. Er setzte einfach voraus, dass man Prüfungen besteht. Meine Mutter ist früh gestorben, und meine Stiefmutter stand mir nicht sehr nahe.

Nunja, er hat zumindest angerufen, und sich unter Protest bereit erklärt, mich abzuholen. Meine Oma wurde an dem Tag siebzig Jahre alt, und natürlich wollte ich dabei sein. Damals hatten nicht sehr viele Leute ein Telefon. Mein Oma schon dreimal nicht. Also war mein Hebammexamen quasi ihr Geburtstgsgeschenk.

Wie ich nun meiner Families meine Schwangerschaft beibringen sollte, war mir noch unklar.

Die letzten Wote der Schulleiterin an mich waren: “Naaaaaaa???? Und Duuuhuuuuuuu???  Was willst Du jetzt machen?” Natürlich begleitet von ihrem typischen Grinsen.

“Das geht Sie nur wirklich nichts mehr an” war meine Antwort,  meinerseits begleitet von einem inneren Laubhüttenfest. Ich feier es heute noch.

Ich war immer noch schwanger

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Die Pausen zwischen den Artikeln, muss ich kurz erklären.

Mir fällt es nach gefühlten einhundert Jahren immer noch schwer, an manche Dinge zurück zu denken. Da ich mich aber nun einmal entschlossen habe, dieses Projekt zu starten, brauche ich mehr Denkpausen als ich dachte. Zudem hatte ich ein langes Telefonat mit einer Uraltfreundin und Leidensgenossin aus diesen Zeiten. Sie hat mich in meinen Wahrnehmungen bestätigt. Danke Monika!!

Wo war ich…..

Bei der besagten Nachtwache….nunja, ich mußte nicht auf diese dämliche Radiumstation. Jeder Gedanke, dieses Kind nicht zu bekommen, oder mich aufzuhängen, es zur Adoption freizugeben, ein Pflegestelle zu suchen, und wasweißchnoch…….waren in diesem Moment vom Tisch.

Alle meinen schönen Zukunftspläne aber leider damit auch. Dabei wollte ich nach Südamerika in die Entwicklungshilfe. Heuuuuuuuuul…..:-(((

Eine Sicherheitsbewerbung in einer Münchener Privatklinik konnte ich auch in die Tonne drücken. Schwangere Hebammen nimmt man natürlich nicht.  Meine Eltern und die restliche Familie verdrängte ich erstmal.

Zunächst also weiter mit der Ausbildung.

Es war Psychoterror.

Warum weiß ich auch nicht, ich war ja nun nicht die einzige Schülerin, die ein Kind bekam. Nunja….

In diesem Krankenhaus gab es einen großen Anteil an nicht normalen Schwangerschaften und Geburten. In so einem Zentrum ist es normal, dass sich solche Fälle häufen.

Nicht normal war aber, dass ich von dieser Kreißsaaloberhebamme nur noch für diese Frauen eingeteilt wurde. Ich hatte Fehlgeburten, Spätaborte, tote Kinder am Termin, schwere Störungen und körperliche Behinderungen zu betreuen. Mit ihr im Dienst, bekam ich keine einzige normale Geburt mehr zu sehen.

Da schüttelten sogar die sonst mir nicht so gewogenen Hebammen den Kopf. Nur die besagte Oberschulschwester grinste süffisant wenn sie mich sah. Sagte aber kein Wort.

Wie ich das ausgehalten habe ist mir ein Rätsel. Aber ich wollte Hebamme werden. Immer noch und erst recht. Zudem erwähnte ich schon, dass Aufgeben in meiner Familie nicht vorkam.

Damals wußte ich noch nicht, dass ich so gebacken bin. Hindernisse überwindet man und Widerstand stachelt mich an.

Nur noch wenig Zeit bis zum Examen

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So ganz genau weiß ich es nicht mehr, aber ich kam einige Monate vor dem Examen doch noch in den Kreißsaal.

Niemals würde ich in einer Hebammenschule arbeiten schwor ich mir. Das habe ich auch eingehalten. Okay, schwer war es nicht, weil ich kein Einserexamen gemacht habe.

Die Oberhebamme war ein gute Freundin der Schulleiterin, und entsprechend wurde ich behandelt. Allerdings hatte die ja nicht Dauerdienst, und es gab auch nette Hebammen, die mich zum Zug kommen ließen.

So bekam ich doch noch mehr als die erforderlichen Geburten.

Nur stellte ich dann zu meinen größten Erschrecken fest, dass ich schwanger war……..achdusch..mit 19!!!!

Ich will hier nicht beschreiben, ich welche Konflikte mich das stürzte.

Durch meine erste Station hatte ich Frauen an Hinterhofabtreibungen sterben sehen. Neee……darauf hatte ich un wirklich keinen Bock.

Die Gesetzeslage war ganz anders, und um ins Ausland zu fahren, hatte ich kein Geld. Zu diesen Zeiten waren viele Frauen in holländischen oder englischen Krankenhäusern….

Ohmann und mir war sowas von üüüüüüüüüüübel…..Leider brachte diese Tatsache mit sich, dass zunächst meine Zimmergenossinen Verdacht schöpften.

Ich machte zuerst mal die Augen zu und hoffte, es stimme nicht.

Dann wurde ich im Nachtdienst mit der Obertrude für eine Wache auf der Radiumstion eingeteilt.

Sowieso unverantwortlich…so junge Frauen einer solchen Strahlenbelastung auzusetzen. In diesem Moment wurde ich seeeeeehr schwanger, und habe mich geweigert den Dienst zu übernehmen.

Mir wurde entgegengehalten, das könne ja jeder sagen, und ich hätte eine Bescheiningung zu bringen. Das hatte ich nicht vor. Die Prüfungen waren weit vor dem Mutterschutz, und ich wollte auch weiter alle Dienste mitmachen.

Wenn ich bisher gedacht hatte, ein schweres Leben zu haben,  wurde ich eine Besseren belehrt. Es gab noch Steigerungen.

Der nächste Schritt in der Ausbildung

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Das war eine Station, auf der Frauen für Operationen vorbereitet und nachbetreut wurden.

Im Prinzip wieder nichts, was ich als zukünftige Hebamme wirklich brauchte. Aber es war eine der beliebtesten Stationen bei allen Schülerinnen.

Natürlich ist so etwas zunächst interessant, aber dazu kam, dass wir wirklich eingebunden wurden.

Wir durften mit zu Visite (eigentlich undenkbar), bei Untersuchungen gucken und asssistieren. Tausend Dinge, die woanders nicht so waren. Es hat auch Spaß gemacht, die Frauen länger zu sehen und wirklich etwas tun zu können. Wundpflege, mobilisieren usw. gehörten mit zu unseren Aufgaben. Ich konnte zu jeder Zeit die Schwestern oder Ärzte mit Fragen löchern, die nie weggewischt wurden. Waren sie auch noch so doof. Die Fragen meine ich natürlich.

Allerdings war diese Stationsschwester auch ganz anders als sämtliche Leiterinnen der übrigen Stationen.

Wir wurden ganz normal behandelt, bekamen sogar etwas von den Geschenken und Trinkegeldern ab (ich dachte mich tritt ein Pferd)

Gelegentliche gemeinsame Frühstücke fanden mit Schülerinnen statt, und wir wurden nicht in der Zeit zum Betten auswaschen geschickt. Der Umstand, dass “normal” behandeln erwähnenwert ist, lässt schon tief blicken.

Der glücklich Zustand hielt sieben Monate an. Von mir aus hätte er ewig dauern können, wenn nicht gewisse Vorausetzungen hätten sein müssen.

Um nämlich zum Examen zugelassen werden zu können, brauchte man eine bestimmte Anzahl von Geburten. Die erfüllte ich bei Weitem nicht.

Wir mußten darüber Protokoll führen, im sogenannten Dammschutzbuch. Und meines war ziemlich leer.

Die Lieblinge der Schulleiterin hatten ihr Soll übererfüllt. Ich natürlich nicht. Natürlich war ich damit nicht alleine, aber es fühlte sich so an.

Zwischenprüfungen und meine sonstigen Beurteilungen waren nicht zu beanstanden. Nur meine Moral. :-) ))

Einige Mädels mit wesentlich schlechteren Arbeiten, sind nie durchgefallen. Da wurden aber auch alle Augen zugedrückt.

Ich muss aber sagen, dass wir immer alle zusammenhielten. Naja gut, bis auf wenige Ausnahmen, die es immer gibt.  Leider bin ich nie dahintergestiegen, wer genau die Informantin war. Da kamen Mehrere in Frage.

Ich hatte einen neuen Freund, 10 Jahre älter als ich und auch noch geschieden. Das ging ja gaaaaaaaaaaaaar nicht!!!  Die Achtundsechziger waren wohl total an der Schule vorbeigelaufen.

Die nächste Station

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war der Kindersaal.

Im Schnitt mit fünfzig Neugeborenen belegt.  Dort hat es mir gut gefallen. Nicht nur wegen der Babys, sondern weil ich endlich etwas lernte und viel “machen” durfte.

Putzen gehörte auch dazu, aber eben nicht nur. Wie überall war das Personal knapp, weil es ja uns Schülerinnen gab. Aber die komische Oberschwester war anderweitig  beschäftigt , und so durften wir alles tun, was eben anfiel.

Babys baden, damals noch jeden Morgen. Nabelpflege, Kinder zu den Müttern bringen, sogar mit ihnen sprechen. Mit den Müttern natürlich :-)

Säuglingspflege, wiegen, Kurven führen. Für mich wichtige Dinge, weil sie schon mit etwas Verantwortung verbunden waren. Wir hatten dort zwei Kindersäle, wovon einer auch über Inkubatoren, Wärmebettchen usw. verfügte.

Im Nachtdienst waren zwei Schülerinnen, und wir gingen im Wechsel immer mal wieder zur anderen Station. Hach……. das war toll. Und ich war still, in der Hoffnung dort “vergessen” zu werden.

Im Nachhinein gesehen haben wir zu der Zeit wenig bis Nichts über das Stillen gelernt. Das war nicht angesagt. Fast alle Mütter stillten nicht. Natürlich wurden damals vorhandene Grundkenntnisse vermittelt, aber mehr auch nicht.

Neben der Schule war ich immer noch schwer beschäftigt, und hatte auch noch einen Freund, der aus Schleswig- Holstein kam. Meine nicht vorhandenen Kenntnisse in Sexualkunde haben sich drastisch verbessert.

Theoretisch im Unterricht meine ich natürlich!

Etwas Praxis hatte ich schon vorher. Der erwähnte Freund hat die Theorie vertieft, und ich mußte immer neue Wege finden, nicht erwischt zu werden.

Vermeiden ließ sich das leider nicht immer. Die Schuloberschwester hat mich in der Beziehung nie vergessen.

Im Kindersaal aber schon, denn ich blieb dort sechs Monate.

Ich fand es toll, aber gut für die Ausbildung war es nicht. Mir war dieser Umstand nicht wirklich klar, aber das kam dann noch. Heute weiß ich auch, dass ich mitnichten vergessen wurde.

Immer noch die Hebammenschule

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Ich habe etwas Zeit gebraucht, bis ich weiter bereichten konnte.

Seltsam, wie sehr einem manche Dinge zu schaffen machen, wenn man sie wieder ausgräbt. Eigentlich war ich bisher der Meinung alles ganz gut verbacken zu haben. Aber scheinbar war es nur erfolgreich verdrängt.

Wo war ich….bei den Nebenjobs.

Die Winterzeit überbrückte ich in einer Discothek. Nein, leider nicht mit tanzen, sondern hinter der Bar.  Natürlich blieb das nicht verborgen, und die Oberschulschwester passte mich irgendwann ab.

Es gibt im Hebammengesetz verbotene Nebentätigkeiten. Also wenn man auf den Strich geht, kann einem das Examen aberkannt werden….oder so…

Nunja, da ich wohl sowieso schon unter Beobachtung stand, wurde mir mitgeteilt, diese Arbeit sei unmoralisch. Aha! Und wenn ich damit nicht aufhöre, würde ich von der Schule fliegen.

Ich frage mich wirklich ob die Oberschwester persönlich geguckt hat. Aber die wäre dort sicher aufgefallen. So ein Käse aber auch, denn mir machte das Spaß, und es war ziemlich lukrativ.

Okay, was sollte ich machen?

Nöööö ich habe dort nicht aufgehört, aber bin zur Garderobe gewechselt. Langweilig und viel weniger gut bezahlt, aber zumindest nicht “anstößig”. Vemutlich hat die Schulleiterin geschäumt, und das freut mich!! Immer noch!

An meinen Leistungen war nichts zu beanstanden. Ich hatte keine Bestnoten im Unterricht, aber sie waren okay. Auch diverse Zwischenprüfungen gaben keine Veranlassung, mich rauszuwerfen.

Ich habe immer so viel gemacht, dass ich in dieser Beziehung keine Angriffsfläche geboten habe. Ich war erst achtzehn, aber diese schreckliche Klosterschule war mir eine Warnung.

Seltsam, seltsam….nach schon vier Wochen wurde ich schon wieder versetzt. Keine Geburten mehr, sondern auf eine der Wochenstationen. Es gab zwei. Eine  “Gute” und eine “Unbeliebte”.

Logisch, dass ich auf der Unbeliebten landete.

Dort lernte ich nicht sehr viel über das Wochenbett, Nähte, Rückbildung usw., aber über ein Höchstmaß an Putzarbeiten. Wir mussten Betten auswaschen und neu beziehen. Die vorhandenen Bettenzentrale war schlicht nicht besetzt. Schränke, Toiletten, Duschen und Nachtkonsolen putzen, desinfizieren und Betten neu beziehen. Die vorhanden Putzfrauen machten nur die Böden sauber. Den Rest der Zeit verbrachten sie in der Küche. Nicht zum Putzen, sondern sie teilten Essen aus, und waren mit anderen berufsfremden Arbeiten betraut.

Wir auch!

Diese Station hatte über vierzig Betten. Täglich mindestens zehn Entlassungen, eher mehr. Ab und zu durfte man im Kreißsaal entbundene Frauen abholen, oder Frauen mit Wehen hinbringen. Ich vergaß zu ewähnen, dass dort auch Schwangere untergebracht waren.

Wow, das waren Lichtblicke.

Grundsätzlich teilten alle Schülerinnen dort das gleiche Schicksal, bis auf wenige Ausnahmen.

Mir ist entfallen wie lange ich dort hockte, aber ich war immer noch wild entschlossen Hebamme zu werden.

Meine nächste Station war der Kreißsaal.

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Als Anfängerin musst man dort……..putzen.  Und Tupfer drehen!!!!!  Damals wurden die noch gewaschen, auf eine bestimmte Weise zu Tupfern gedreht, und dann in eine sog. Tonne sterilisiert.

Diese Behältnisse mussten von uns bei Dienstbeginn mit Alkohol abgerieben werden. Nur damit sie schön glänzen….ja sehr sinnvoll das Ganze.

Es gab sechs Kreißsäle, diverse Nebenräume, mit haufenweise Tupfern. Damit war man den halben Dienst beschäftigt.

Diese Beschäftigungstherapie traf nicht alle Schülerinnen. Die Hebammen dort, hatten ihre Lieblinge, die wirklich ausgebildet wurden. Ich gehörte nicht dazu.

So ganz vermeiden konnten sie nicht, dass ich doch ab und zu irgendwo eingesetzt wurde.  Ich sah ein paar Geburten, und wollte immer noch und erst recht Hebamme werden. Sonst hätte ich das nie ausgehalten. Allerdings habe ich mir geschworen, niemals an einer Hebammenschule zu arbeiten. So wollte ich nicht werden. Und ich hoffe, es ist mir gelungen.

In der Zwischenzeit hatte ich einen Hintereingang mit dem bestechlichen Nachtportier endeckt. Die Flüsterpropanganda der älteren Schülerinnen funktionierte gut.

Eigentlich war um 23.00 Uhr Zapfenstreich. Pöh…nicht für mich……ich ging in die Disco!!

Man muss bedenken, wo ich herkam. Dort gab es so etwas nicht. Wuppertal war für mich eine Weltstadt…hahahaaa.

Wir wurden erst mit 21 volljährig, und diese Regeln wurden mit Aufsichtpflicht begründet. Dabei gab es wesentlich ältere Schülerinnen, teilweise mit Kindern, die sich natürlich auch nicht daran hielten.

Egal, ich brauchte diese Fluchten, und ich brauchte Geld. Wir bekamen so gut wie nichts, und von meinen Eltern konnte ich keine Unterstützung erwarten.

Also suchte ich mir Arbeit. Neben dem Vollzeitdienst (42 Stunden), dem Unterricht und Stoff pauken, ging ich zunächst kellnern. Meist um die Mittagszeit. Aber bitte fragt mich nicht, wie ich das geschafft habe.

Hinter dem Krankenhaus war ein Freibad. Dort hatte ich im ansässigen Lokal gefragt. Die Besitzer kannten das schon, und waren flexibel, was die Zeiten anging.

Leider war es natürlich im Winter zu.

Und wie konnte es anders sein? Ich bekam Probleme. Heute denke ich, ich wurde angeschwärzt. Damals bin ich auf so etwas nicht gekommen.

Die Ausbildung

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Wie angekündigt nun etwas mehr über die Schulzeit.

Mir fällt es etwas schwer darüber zu schreiben. Warum ich viel davon verdrängt habe, hat seine Gründe. Bei diversen Fortbildungen und Kongressen hörte ich von Kolleginnen immer das Gleiche: “Sie wollten uns das Rückgrat brechen.”

So war es. Warum bleibt mir bis heute unerklärlich. Hebammen tragen eine hohe Verantwortung, müssen eigene Entscheidungen treffen und auch dafür den Kopf hinhalten.  Dazu braucht man Selbstsicherheit und ein gutes Gespür für seine eigenen Grenzen.

Darauf wurden wir nicht vorbereitet. Dieser Beruf ist von Erfahrung geprägt, die man als Schülerin nicht haben kann. Es kann sie einem auch keiner beibringen. Darum geht es nicht.

Im Nachhinein hätte ich aber erwartet, nicht nur Lehrstoff pauken zu müssen, sondern auch mit einem Bewußtsein für die zukünftige Verantwortung ausgestattet zu werden. Gestärkt in die Praxis zu gehen, und sich nicht alles selber erarbeiten zu müssen.

Ich hatte schon Übung durch die Klosterschule. Die meisten anderen Kolleginnen nicht. Ich kann nicht zählen, wie oft eine von uns heulend oder wütend aus dem Kreißsaal oder von der Station kam. Auch nicht, wieviele die Ausbildung im ersten Semester abgebrochen haben.

Natürlich wurde bei diversen Zwischenprüfungen fachlich gesiebt, völlig klar. Um die geht es dabei nicht.

Wir wurden klein gehalten oder gemacht. Auf vielen Stationen haben wir nur geputzt, Betten ausgewaschen und mehr. Auf einer der großen Wochenstationen ging es so weit, dass die Putzfrauen Frühstück gemacht und ausgeteilt haben, und wir deren Job machten.

Im Kreißsaal haben wir und immer davor getroffen und sind nur im Pulk zum Dienst gegangen. Je nachdem wer da Dienst hatt, auch schlotternd vor Schiss.

Ich kam zu Beginn auf eine Station, die so gar nichts mit dem Beruf zu tun hat. Dort lagen Frauen mit Krebs, anderen schweren Krankheiten, und/oder den Folgen von Hinterhofabtreibungen.

Dazu eine seltsame Oberschwester, die mir bis heute nachläuft. Ich mußte von ihr lernen, wie man aus Milchresten Quark macht.

Das ist kein Scherz.

Mir machten diese Patientinnen sehr zu schaffen, und jeden Tag Todesfälle war eindeutig zuviel für mich. Es gab auch keine Begleitung für uns. Da blieben nur die Zimmergenossinnen, die damit auch überfordert waren.

Nach sechs Wochen traute ich mich zur Oberin. Nicht zur Schulleiterin Warum nicht, kommt noch.

Ich also zur obersten Leitung….sie hörte mich auch an. Immerhin. Das Ergebnis war, dass ich dort nicht mehr hin musste. Aber das Ganze ging in einen sog. Führungsbogen als Strafversetzung ein.

Also eine Negativbewertung für die Zulassung zum Examen.

Und von da an war ich unten durch.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich das nicht. Selbst wenn, ich hätte es keinen Tag länger auf der Station geschafft.

Hebammenschule

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Momentan stelle ich fest: ich habe ein Zeitproblem.

Trotzdem möchte ich natürlich noch weiter schreiben.

Wo war ich? Achja die Hebammenschule. Davon habe ich mindestens zwei Drittel verdängt.

Wir hatten dort vollen Dienst inclusive 3 Wochen lange Nachtwachen, Wechseldienste und immer dazu Unterricht. Nach dem Nachtdienst, davor oder dazwischen war ganz egal. Bezahlung gab es so gut wie keine. Das wurde mit wohnen und essen verrechnet. Keine Nacht- oder Rufbereitschaftszuschläge. Nichts. So blieb ein Taschengeld übrig.

Drei Wochen Urlaub, in dem Samstage, Sonntage und Feiertage als Ulaubstage galten.

Wir haben quasi den ganzen Betrieb getragen. In der Nacht gab es eine!! Krankenschwester für das ganze Haus, ansonsten überall nur Schülerinnen. Es war kein kleines Krankenhaus!!

Im OP kam nur für größere Eingriffe die OP- Schwester, sonst wieder nur Schülerinnen. Es gab noch eine Kinderschwester für evtl. Erstversorgungen, und im Kreißsaal leibhaftige Hebammen., die auch anwesend waren. Nun gut, zwei, und der Rest? Man kann es sich denken.

In den Mehrbettzimmern schlafen? Fehlanzeige. Eine von den Anderen hatte immer Pause oder frei.  Wie sehr wir ausgenutzt wurden wurde mir natürlich nicht sofort klar. Dazu war ich zu jung und naiv.

Von Arbeitsrecht hatten wir alle keine Ahnung.

Lernen musste man ja auch noch, denn der Stoff war und  ist nun wirklich nicht von Pappe.

Was aber den meisten Schülerinnen viel mehr zu schaffen machte, kommt im nächsten Artikel.

Prüfungen

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Irgendwelche Prüfungen nicht zu bestehen, war in meiner Familie kein Thema. Besonders mein Vater setzte voraus, dass keine seiner Töchter durchfallen wird.

Punkt.

Ich also zur Abschlussprufung in die Wallachei.  Der Ort bestand aus dem Krankenhaus, einem Kloster und dem wichtigen Büdchen oder Koisk.

Ende, mehr war da nicht. Davon ist mir bis heute ein Trauma gblieben. Schon die Vorstellung ländlich wohnen zu sollen lässt mich grausen. Und das, obwohl ich in einem Dorf aufgewachsen bin.

Man muss nicht raten, denn sonst wäre ich keine Hebamme geworden. Natürlich bestand ich, und für die Umstände nicht einmal so schlecht.

Aber die nächste Herausforderung war schon in Sicht. Um in die Hebammenschule aufgenommen zu werden, mußte man dort eine Aufnahmeprüfung machen. Es gab damals schon mehr Bewerberinnen als Plätze.

Meine Zimmerkollegin, die mir diesen Floh ins Ohr gesetzt hatte, fiel übrigens mit Pauken und Trompeten durch. Ich nicht!! Erwähnte ich schon, dass ich schließlich Hebamme werden wollte??

An diesem Tag lernte ich ein junges Mädchen kennen, die heute noch meine Freundin ist. Nicht zu fassen, aber natürlich wußten wir das damals nicht. Junge Mädchen sind wir auch nicht mehr.

Im Oktober 1971 war ich am Ziel. Die Ausbildung begann. Ich war nicht mehr auf dem Land, sondern geradezu in einer Großstadt.  Man wurde erst mit einunzwanzig volljährig, und mußte in der Schule wohnen. Das war mir völlig egal. Alles war besser als Klosterschule oder der letzte Job.

Dachte ich jedenfalls.