Prüfungen
Irgendwelche Prüfungen nicht zu bestehen, war in meiner Familie kein Thema. Besonders mein Vater setzte voraus, dass keine seiner Töchter durchfallen wird.
Punkt.
Ich also zur Abschlussprufung in die Wallachei. Der Ort bestand aus dem Krankenhaus, einem Kloster und dem wichtigen Büdchen oder Koisk.
Ende, mehr war da nicht. Davon ist mir bis heute ein Trauma gblieben. Schon die Vorstellung ländlich wohnen zu sollen lässt mich grausen. Und das, obwohl ich in einem Dorf aufgewachsen bin.
Man muss nicht raten, denn sonst wäre ich keine Hebamme geworden. Natürlich bestand ich, und für die Umstände nicht einmal so schlecht.
Aber die nächste Herausforderung war schon in Sicht. Um in die Hebammenschule aufgenommen zu werden, mußte man dort eine Aufnahmeprüfung machen. Es gab damals schon mehr Bewerberinnen als Plätze.
Meine Zimmerkollegin, die mir diesen Floh ins Ohr gesetzt hatte, fiel übrigens mit Pauken und Trompeten durch. Ich nicht!! Erwähnte ich schon, dass ich schließlich Hebamme werden wollte??
An diesem Tag lernte ich ein junges Mädchen kennen, die heute noch meine Freundin ist. Nicht zu fassen, aber natürlich wußten wir das damals nicht. Junge Mädchen sind wir auch nicht mehr.
Im Oktober 1971 war ich am Ziel. Die Ausbildung begann. Ich war nicht mehr auf dem Land, sondern geradezu in einer Großstadt. Man wurde erst mit einunzwanzig volljährig, und mußte in der Schule wohnen. Das war mir völlig egal. Alles war besser als Klosterschule oder der letzte Job.
Dachte ich jedenfalls.