Immer noch die Hebammenschule
Ich habe etwas Zeit gebraucht, bis ich weiter bereichten konnte.
Seltsam, wie sehr einem manche Dinge zu schaffen machen, wenn man sie wieder ausgräbt. Eigentlich war ich bisher der Meinung alles ganz gut verbacken zu haben. Aber scheinbar war es nur erfolgreich verdrängt.
Wo war ich….bei den Nebenjobs.
Die Winterzeit überbrückte ich in einer Discothek. Nein, leider nicht mit tanzen, sondern hinter der Bar. Natürlich blieb das nicht verborgen, und die Oberschulschwester passte mich irgendwann ab.
Es gibt im Hebammengesetz verbotene Nebentätigkeiten. Also wenn man auf den Strich geht, kann einem das Examen aberkannt werden….oder so…
Nunja, da ich wohl sowieso schon unter Beobachtung stand, wurde mir mitgeteilt, diese Arbeit sei unmoralisch. Aha! Und wenn ich damit nicht aufhöre, würde ich von der Schule fliegen.
Ich frage mich wirklich ob die Oberschwester persönlich geguckt hat. Aber die wäre dort sicher aufgefallen. So ein Käse aber auch, denn mir machte das Spaß, und es war ziemlich lukrativ.
Okay, was sollte ich machen?
Nöööö ich habe dort nicht aufgehört, aber bin zur Garderobe gewechselt. Langweilig und viel weniger gut bezahlt, aber zumindest nicht “anstößig”. Vemutlich hat die Schulleiterin geschäumt, und das freut mich!! Immer noch!
An meinen Leistungen war nichts zu beanstanden. Ich hatte keine Bestnoten im Unterricht, aber sie waren okay. Auch diverse Zwischenprüfungen gaben keine Veranlassung, mich rauszuwerfen.
Ich habe immer so viel gemacht, dass ich in dieser Beziehung keine Angriffsfläche geboten habe. Ich war erst achtzehn, aber diese schreckliche Klosterschule war mir eine Warnung.
Seltsam, seltsam….nach schon vier Wochen wurde ich schon wieder versetzt. Keine Geburten mehr, sondern auf eine der Wochenstationen. Es gab zwei. Eine “Gute” und eine “Unbeliebte”.
Logisch, dass ich auf der Unbeliebten landete.
Dort lernte ich nicht sehr viel über das Wochenbett, Nähte, Rückbildung usw., aber über ein Höchstmaß an Putzarbeiten. Wir mussten Betten auswaschen und neu beziehen. Die vorhandenen Bettenzentrale war schlicht nicht besetzt. Schränke, Toiletten, Duschen und Nachtkonsolen putzen, desinfizieren und Betten neu beziehen. Die vorhanden Putzfrauen machten nur die Böden sauber. Den Rest der Zeit verbrachten sie in der Küche. Nicht zum Putzen, sondern sie teilten Essen aus, und waren mit anderen berufsfremden Arbeiten betraut.
Wir auch!
Diese Station hatte über vierzig Betten. Täglich mindestens zehn Entlassungen, eher mehr. Ab und zu durfte man im Kreißsaal entbundene Frauen abholen, oder Frauen mit Wehen hinbringen. Ich vergaß zu ewähnen, dass dort auch Schwangere untergebracht waren.
Wow, das waren Lichtblicke.
Grundsätzlich teilten alle Schülerinnen dort das gleiche Schicksal, bis auf wenige Ausnahmen.
Mir ist entfallen wie lange ich dort hockte, aber ich war immer noch wild entschlossen Hebamme zu werden.