Mein Baby wird ein Mädchen!
Mir fiel nämlich kein Jungenname ein. Daran kann man vielleicht sehen, wie kindisch ich noch war.
Alle Versuche mir einen Jungennamen schmackhaft zu machen waren vergebens. Zum Glück war wenigstens mein schreckliche Überlkeit verschwunden. Im Rückblick war sie mit Sicherheit nicht unerheblich mit der großen Belastung zu erklären.
Freund weg, Examen, mein gespanntes Verhältnis zu meinem Elternhaus und die Verwandtschaft waren wohl etwas viel. Ich nahm insgesamt nur acht Kilo zu. Und das, obwohl ich ständig nur “herumhing”. Vor lauter Langeweile begann ich wieder zu häkeln und zu stricken. Ich hasse Handarbeiten!!!
Aber meine Oma liebte ich sehr, und ich wollte wenigstens etwas Dankbarkeit zeigen.
Natürlich kreisten meine Gedanken vorrangig um meine Zukunft. Es musste etwas geschehen. Das war klar.
Damals hatte mach acht Wochen Mutterschutz, es gab weder Kindergeld, kein Elterngeld und über etwaige Beihilfen war ich nicht informiert.
Im örtlichen Krankenhaus zu arbeiten kam nicht in Frage. Dort wurde eine miserable Geburtshilfe praktiziert. In der benachbarten Kreisstadt gab es zwei Krankenhäuser. Eines davon wollte ich testen, indem ich dort selber entbinden würde. Es war ein Neubau und sehr modern eingerichtet.
Die zweite Option war ein altes Haus, in dem ich selber geboren wurde.
Aber wie sollte das gehen? Ein Baby und voll arbeiten? Dazu kam noch ein weiter Fahrweg. Da saß ich nun fest. Ausgerechnet ich mit meinen hochfliegenden Plänen. Kleinstadtmief und Dorftratsch statt großer weiter Welt-
Ich wusste zum Glück nicht, dass mich mein Fernweh nie verlassen würde.
Das Familiengericht tagt…
Omas Geburtstag….tja….da saßen alle alten Tanten die es in der Familie so gab.
Als sie die Tür öffnete, hatte mein Vater ihr ein “die ist schwanger” entgegengeschleudert, meine Sachen in den Flur geworfen, und war entschwunden.
Meine arme Oma!!
Sie wurde ganz blass, aber sagte, sie habe es sich schon gedacht. Meine übermäßige Übelkeit war auch ihr nicht entgangen.
Was dann folgte, möchte ich lieber nicht bis ins Detail schildern. Da stellen sich mir heute noch die Haare zu Berge.
Aber ich bekam Asyl bei Oma. Der Preis war, dass ich schuldbeladen durch die Schwangerschaft gehen mußte. Nach meinen eigenen Anlaufschwierigkeiten mit dem Kind, hatte ich gerade begonnen mich zu freuen. Klar war das “unvernünfig”, aber mir egal.
Meine Familie, die teilweise “rundherum” wohnte, erwartete ebenfalls ewige Dankbarkeit. Aber am liebsten hätten sich mich versteckt. “Was sollen denn die Leute denken”…….Nunja….davon hatte ich mich schon ziemlich lange befreit.
Aber ich habe mich ehrlich bemüht, brav zu sein. Natürlich sah ich ein, dass es für sie nicht leicht war. Allerdings ist mein Onkel nur elf Jahre älter als ich. Da hätte ich schon etwas mehr Unterstützung erwartet.
Begonnen hat damit seine Frau. Meine Tante besorgte alle möglichen Sachen. Bett, Kinderwagen usw. Gebraucht und sehr günstig. Geld hatte ich keins. Ich bekam Arbeitslosengeld. Berechnet nach dem Schülerinnengehalt. Auf die Idee zum Sozialamt zu gehen, bin ich leider nie gekommen.
Der Postbote schleppte sich einen Ast. Ich bekam Pakete von meinen Kolleginnen. Die haben alles abgeklappert, was sie kannten. Boh…das hatte ich nicht erwartet. Keine Kohle, aber mein Kind hatte Klamotten wie eine Prinzessin.
Achso: natürlich würde ich ein Mädchen bekommen. Das stand fest. Nein, nicht mit Ultraschall. Die Technik war noch in den Kinderschuhen. Ich hatte das so beschlossen, und mich nicht einmal um einen Jungennamen gekümmert.
Leider schaffte ich es nicht immer ein nettes Mädchen zu sein. Wie anstrengend!!
Jedenfalls plante ich schon weiter. So konnte es nicht gut gehen. Natürlich war die Entwicklunghilfe kein Thema mehr. Leider! Aber mit einem Baby wollte ich nun lieber nicht im Urwald oder Slums landen. Meine Familie war sehr froh, dass ich diese dämliche Idee nicht in die Tat umsetzen konnte. Ich nicht.
Ich wollte endlich als Hebamme arbeiten. Für ein Bett bei Oma hatte ich nicht so lange gekämpft. Ich zog aber weiter den Kopf ein, freute mich heimlich und wartete auf die Geburt.
