Ich war endlich Hebamme

Jawohl…….Nur wollte mich keiner mehr. Duch die Schwangerschaft waren alle meine schönen Pläne für die Katz. Schwangere Hebammen, stellt keiner ein.

Dabei hatte ich zwei so tolle Optionen. Einmal war ich total wild darauf im Ausland zu arbeiten. Es gab damals nicht so viele Möglichkeiten dazu. Also hatte ich micht beim Deutschen Entwicklungsdienst beworben, und wolllte nach Südamerika.

Alternativ war da noch eine kleine Privatklinik in München, bei der ich mich beworben hatte. Nur so als Notlösung.

Ich wollte weg, raus aus dem Mief, und kam auf direktem Weg wieder rein. Nämlich in Omas 70sten Geburtstag. Horror.

Mein Vater holte mich also ab. Wie erwähnt, was das familiäre Verhältnis kompliziert und schwierig. Er wußte nichts von mir. Nichts von der Ausbildung, nichts von den Schwierigkeiten, und auch nichts von meinen Plänen.

Man wurde erst mit 21 volljährig, und ob ich für das Ausland sein Einverständnis bekommen hätte, weiß ich bis heute nicht. Deswegen auch die Option in München.

Rückblickend glaube ich, dass ich dort nicht besonders lange geblieben wäre, von daher war diese verpasste Gelegenheit nicht so schlimm. Das Ausland läuft mir immer noch hinterher, aber man kann nicht alle nachholen im Leben.

Jung und doof wie ich war, hatte ich halt keine wirkliche Peilung. Eigentlich wußte ich nur, was ich nicht wollte.

Bis heute weiß  ich noch den genauen Worlaut, meiner Beichte, dass ich schwanger wäre. Cool kalkuliert, während der Fahrt, damit er sich nicht nur darauf konzentrieren konnte.

Auch seine Reaktion ist mir immer noch sofort gegenwärtig. Danach sprach er kein Wort mehr mit mir. Er nahm mich auch nicht erst mit nach Hause, sondern lieferte mich gleich bei der Oma ab.

Doppelmoral hoch Drei….denn er hatte selber ein “uneheliches” Kind, wie das hieß, und meine Stiefmutter ebenfalls. Sie dazu noch von einem verheirateten Mann.

Allerdings dachte mein Vater, ich wisse nichts von seinem “Fehltritt”.

So war das….ich war und blieb das Schwarze Schaf, und wurde und auch noch zur Familienschande. Natürlich hatte ich gewußt, dass keiner erfreut sein würde. Schließlich lebte ich nicht auf dem Mond. Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die Maßstäbe, die wohl nur für mich galten, nicht für meine Eltern.

Da kam ich also daher, geheimnisvoll gesegneten Leibes, denn den Vater kannte keiner aus der Familie.  Es war auch nicht wirklich wichtig, denn der “Papa” wußte auch nichts von seinem Glück. Er hatte sich gertrennt, und wegen eine Kindes geheiratet zu werden, ließ mein Stolz nicht zu.

Nienich, das wußte ich…….

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Ich war immer noch schwanger

Die Pausen zwischen den Artikeln, muss ich kurz erklären.

Mir fällt es nach gefühlten einhundert Jahren immer noch schwer, an manche Dinge zurück zu denken. Da ich mich aber nun einmal entschlossen habe, dieses Projekt zu starten, brauche ich mehr Denkpausen als ich dachte. Zudem hatte ich ein langes Telefonat mit einer Uraltfreundin und Leidensgenossin aus diesen Zeiten. Sie hat mich in meinen Wahrnehmungen bestätigt. Danke Monika!!

Wo war ich…..

Bei der besagten Nachtwache….nunja, ich mußte nicht auf diese dämliche Radiumstation. Jeder Gedanke, dieses Kind nicht zu bekommen, oder mich aufzuhängen, es zur Adoption freizugeben, ein Pflegestelle zu suchen, und wasweißchnoch…….waren in diesem Moment vom Tisch.

Alle meinen schönen Zukunftspläne aber leider damit auch. Dabei wollte ich nach Südamerika in die Entwicklungshilfe. Heuuuuuuuuul…..:-(((

Eine Sicherheitsbewerbung in einer Münchener Privatklinik konnte ich auch in die Tonne drücken. Schwangere Hebammen nimmt man natürlich nicht.  Meine Eltern und die restliche Familie verdrängte ich erstmal.

Zunächst also weiter mit der Ausbildung.

Es war Psychoterror.

Warum weiß ich auch nicht, ich war ja nun nicht die einzige Schülerin, die ein Kind bekam. Nunja….

In diesem Krankenhaus gab es einen großen Anteil an nicht normalen Schwangerschaften und Geburten. In so einem Zentrum ist es normal, dass sich solche Fälle häufen.

Nicht normal war aber, dass ich von dieser Kreißsaaloberhebamme nur noch für diese Frauen eingeteilt wurde. Ich hatte Fehlgeburten, Spätaborte, tote Kinder am Termin, schwere Störungen und körperliche Behinderungen zu betreuen. Mit ihr im Dienst, bekam ich keine einzige normale Geburt mehr zu sehen.

Da schüttelten sogar die sonst mir nicht so gewogenen Hebammen den Kopf. Nur die besagte Oberschulschwester grinste süffisant wenn sie mich sah. Sagte aber kein Wort.

Wie ich das ausgehalten habe ist mir ein Rätsel. Aber ich wollte Hebamme werden. Immer noch und erst recht. Zudem erwähnte ich schon, dass Aufgeben in meiner Familie nicht vorkam.

Damals wußte ich noch nicht, dass ich so gebacken bin. Hindernisse überwindet man und Widerstand stachelt mich an.

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Der nächste Schritt in der Ausbildung

Das war eine Station, auf der Frauen für Operationen vorbereitet und nachbetreut wurden.

Im Prinzip wieder nichts, was ich als zukünftige Hebamme wirklich brauchte. Aber es war eine der beliebtesten Stationen bei allen Schülerinnen.

Natürlich ist so etwas zunächst interessant, aber dazu kam, dass wir wirklich eingebunden wurden.

Wir durften mit zu Visite (eigentlich undenkbar), bei Untersuchungen gucken und asssistieren. Tausend Dinge, die woanders nicht so waren. Es hat auch Spaß gemacht, die Frauen länger zu sehen und wirklich etwas tun zu können. Wundpflege, mobilisieren usw. gehörten mit zu unseren Aufgaben. Ich konnte zu jeder Zeit die Schwestern oder Ärzte mit Fragen löchern, die nie weggewischt wurden. Waren sie auch noch so doof. Die Fragen meine ich natürlich.

Allerdings war diese Stationsschwester auch ganz anders als sämtliche Leiterinnen der übrigen Stationen.

Wir wurden ganz normal behandelt, bekamen sogar etwas von den Geschenken und Trinkegeldern ab (ich dachte mich tritt ein Pferd)

Gelegentliche gemeinsame Frühstücke fanden mit Schülerinnen statt, und wir wurden nicht in der Zeit zum Betten auswaschen geschickt. Der Umstand, dass “normal” behandeln erwähnenwert ist, lässt schon tief blicken.

Der glücklich Zustand hielt sieben Monate an. Von mir aus hätte er ewig dauern können, wenn nicht gewisse Vorausetzungen hätten sein müssen.

Um nämlich zum Examen zugelassen werden zu können, brauchte man eine bestimmte Anzahl von Geburten. Die erfüllte ich bei Weitem nicht.

Wir mußten darüber Protokoll führen, im sogenannten Dammschutzbuch. Und meines war ziemlich leer.

Die Lieblinge der Schulleiterin hatten ihr Soll übererfüllt. Ich natürlich nicht. Natürlich war ich damit nicht alleine, aber es fühlte sich so an.

Zwischenprüfungen und meine sonstigen Beurteilungen waren nicht zu beanstanden. Nur meine Moral. :-) ))

Einige Mädels mit wesentlich schlechteren Arbeiten, sind nie durchgefallen. Da wurden aber auch alle Augen zugedrückt.

Ich muss aber sagen, dass wir immer alle zusammenhielten. Naja gut, bis auf wenige Ausnahmen, die es immer gibt.  Leider bin ich nie dahintergestiegen, wer genau die Informantin war. Da kamen Mehrere in Frage.

Ich hatte einen neuen Freund, 10 Jahre älter als ich und auch noch geschieden. Das ging ja gaaaaaaaaaaaaar nicht!!!  Die Achtundsechziger waren wohl total an der Schule vorbeigelaufen.

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Die Ausbildung

Wie angekündigt nun etwas mehr über die Schulzeit.

Mir fällt es etwas schwer darüber zu schreiben. Warum ich viel davon verdrängt habe, hat seine Gründe. Bei diversen Fortbildungen und Kongressen hörte ich von Kolleginnen immer das Gleiche: “Sie wollten uns das Rückgrat brechen.”

So war es. Warum bleibt mir bis heute unerklärlich. Hebammen tragen eine hohe Verantwortung, müssen eigene Entscheidungen treffen und auch dafür den Kopf hinhalten.  Dazu braucht man Selbstsicherheit und ein gutes Gespür für seine eigenen Grenzen.

Darauf wurden wir nicht vorbereitet. Dieser Beruf ist von Erfahrung geprägt, die man als Schülerin nicht haben kann. Es kann sie einem auch keiner beibringen. Darum geht es nicht.

Im Nachhinein hätte ich aber erwartet, nicht nur Lehrstoff pauken zu müssen, sondern auch mit einem Bewußtsein für die zukünftige Verantwortung ausgestattet zu werden. Gestärkt in die Praxis zu gehen, und sich nicht alles selber erarbeiten zu müssen.

Ich hatte schon Übung durch die Klosterschule. Die meisten anderen Kolleginnen nicht. Ich kann nicht zählen, wie oft eine von uns heulend oder wütend aus dem Kreißsaal oder von der Station kam. Auch nicht, wieviele die Ausbildung im ersten Semester abgebrochen haben.

Natürlich wurde bei diversen Zwischenprüfungen fachlich gesiebt, völlig klar. Um die geht es dabei nicht.

Wir wurden klein gehalten oder gemacht. Auf vielen Stationen haben wir nur geputzt, Betten ausgewaschen und mehr. Auf einer der großen Wochenstationen ging es so weit, dass die Putzfrauen Frühstück gemacht und ausgeteilt haben, und wir deren Job machten.

Im Kreißsaal haben wir und immer davor getroffen und sind nur im Pulk zum Dienst gegangen. Je nachdem wer da Dienst hatt, auch schlotternd vor Schiss.

Ich kam zu Beginn auf eine Station, die so gar nichts mit dem Beruf zu tun hat. Dort lagen Frauen mit Krebs, anderen schweren Krankheiten, und/oder den Folgen von Hinterhofabtreibungen.

Dazu eine seltsame Oberschwester, die mir bis heute nachläuft. Ich mußte von ihr lernen, wie man aus Milchresten Quark macht.

Das ist kein Scherz.

Mir machten diese Patientinnen sehr zu schaffen, und jeden Tag Todesfälle war eindeutig zuviel für mich. Es gab auch keine Begleitung für uns. Da blieben nur die Zimmergenossinnen, die damit auch überfordert waren.

Nach sechs Wochen traute ich mich zur Oberin. Nicht zur Schulleiterin Warum nicht, kommt noch.

Ich also zur obersten Leitung….sie hörte mich auch an. Immerhin. Das Ergebnis war, dass ich dort nicht mehr hin musste. Aber das Ganze ging in einen sog. Führungsbogen als Strafversetzung ein.

Also eine Negativbewertung für die Zulassung zum Examen.

Und von da an war ich unten durch.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich das nicht. Selbst wenn, ich hätte es keinen Tag länger auf der Station geschafft.

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Eine wichtige Frage!

Ich hatte keine Hausgeburt anstehen, und schlief entsprechend tief .

Trotzdem klingelte da das Telefon? Oder schon der Wecker? Ein verschlafener Blick auf den Selbigen teilte mir mit: es ist 1.30 Uhr. Nachts natürlich.

Nicht der Wecker also. Hartnäckig klingelte es weiter. Meine Mann, Kummer gewohnt, grunzte nur und schlief selig weiter. Kein Zweifel, ich war gemeint. Völlig verschlafen, nahm ich ab.

Eine putzmuntere Männerstimme tönte mir entgegen: “Sind Sie Hebamme?”  Ich:  “Jahaha.”

Ohmann ich liiiiiiiiiiebe meinen Beruf, besonders in solchen Momenten. Um diese Zeit bin ich gewöhnlich sonderlich gespächig, aber es schallte bereits weiter in mein Ohr: “Was kostet bei Ihnen eine Geburt?”  ?????????  Denken ging auch nicht.

Aber das war auch nicht weiter nötig, denn der aufgeregte Herr (von dem ich bis heute keinen Namen weiß) teilte mir mit:  “Wissense, wir haben kein Geld und brauchen eine billige Geburt.”

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Auf der Suche nach verwandten Blogs

Gestern bin ich etwas gewandert, und auf einen mir schon bekannten Blog eines Kinderaztes gestoßen. Eigentlich fand ich ihn immer unterhaltsam und witzig geschrieben.

Bis gestern. Denn ich stieß auf einen Eintrag, der bereits etwas älter ist, aber mich trotzdem ärgert, weil es meinen ganzen Berufsstand betrifft.

Da wird auf Grund einer!!! ungeprüften Aussage einer Mutter, über Hebammen ganz allgemein hergozogen, und die Antworten stoßen fast alles ins gleiche Horn. Sehr schade und zudem überflüssig.

Wenn so Bloggen funktioniert, kann ich auch eine lange Liste von allen möglichen Berufsgruppen erstellen, deren Aussagen höchst zweifelhaft sind. Dazu gehören Kinderärzte und Gynäkologen , von denen ich jeden Tag wirklich tolle Geschichten lese und höre.

Trotzdem fällt es mir nicht ein, sie alle über einen Kamm zu scheren. Es gibt doch überall Solche und Solche.

Man kann schon sagen die Hebamme hat keine Ahnung, aber bitte nicht:

alle haben keine .

http://kinderdoc.wordpress.com/2009/07/20/auch-mal-eine-aussage/

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