Väter sitzen länger im Büro als Kinderlose
Väter, die Teilzeit arbeiten oder gar Hausmänner, die sich um die Kinder kümmern, sind heute keine Seltenheit mehr – oder eben doch? Das deutsche Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung fand kürzlich heraus, dass junge Väter meist sogar länger arbeiten als ihre kinderlosen Arbeitskollegen.
Bis zu zwei Stunden wöchentlich arbeiten Väter länger als ihre Kollegen ohne Kinder.
Auf dieses Ergebnis kam das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) dank «Mikrozensus 2010», einer Haushaltsbefragung vom vergangenen Jahr. Der Untersuchung zufolge arbeiten 25- bis 39-jährige Väter im Wochenschnitt zwei Stunden länger als ihre Kollegen ohne Kinder. Ebenfalls ein interessanter Trend zeigt sich bei den Arbeitszeiten der Ü40-Männer: Während Alleinstehende dann eher weniger arbeiten, steigt die Anzahl Arbeitsstunden bei Familienvätern sogar etwas an.
So festige sich die klassische Rollenverteilung in der Familiendynamik, erläutert Bujard gegenüber Spiegel Online. Ist also die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt und das lockere, unkonventionelle Familienbild der Gegenwart etwa nur eine Illusion? So sei es dann doch nicht ganz, sagt Bujard. Väter seien generell durchaus bereit, ihr Engagement für die Familie auch mal in den Haushalt zu verlagern. «Um innerhalb der Familie für eine gerechtere Arbeitsverteilung zu sorgen, brauchen Väter offensichtlich Unterstützung und Anreize seitens der Liebsten.»
Quelle: Spiegel Online
Vorgelegtes Kinderschutzgesetz findet im Bundesrat keine Mehrheit
Wegen finanzieller Bedenken hat der Bundesrat das Gesetz für einen besseren Schutz von Kindern vor Misshandlungen blockiert. Bei der Sitzung der Kammer am 25. November fand das von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) vorgelegte Kinderschutzgesetz keine Mehrheit. Die Ministerin warf den SPD-geführten Ländern vor, „aus parteipolitischem Kalkül dringend notwendige Verbesserungen im Kinderschutz zu verweigern“.
Schröder wollte mit dem Gesetz Kinder besser vor Gewalt und Vernachlässigung schützen. Ihr Ministerium sollte auf vier Jahre befristet mit 120 Millionen Euro den Einsatz sogenannter Familienhebammen unterstützen, die Familien in schwierigen Situationen helfen sollen. Länder und Kommunen fürchteten aber, danach anfallende Kosten übernehmen zu müssen. Einige forderten deshalb, die gesetzlichen Krankenkassen an der Finanzierung zu beteiligen.
Das Gesetz weise in der derzeitigen Fassung „deutliche Mängel“ auf, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) bei der Sitzung der Länderkammer. „Da müssen wir nachbessern.“ Die Linkspartei forderte eine „solide und nachhaltige Basis“ für die Finanzierung. Kinderschutz dürfe „nicht abhängig sein von der schwindenden Finanzkraft der Kommunen“, kritisierte ihre kinderpolitische Sprecherin Diana Golze.
Ministerin Schröder bezeichnete die Blockade im Bundesrat als „traurig“. Mit ihrem Entwurf hätte eine „neue Qualität im Kinderschutz“ erreicht werden können. „Die Länder tragen nun die Verantwortung, dass das Bundeskinderschutzgesetz nicht zum 1. Januar 2012 in Kraft treten kann.“ Schröder kündigte an, sich für die Anrufung des Vermittlungsausschusses einzusetzen. Im Bundesrat hatte es auch für diese Anrufung keine Mehrheit gegeben, damit ist das Gesetz vorerst blockiert. Der Bundestag hatte die Vorlage im Oktober ohne Gegenstimme beschlossen.
Schröders Entwurf sah außerdem vor, von hauptamtlichen Mitarbeitern der Jugendhilfe generell ein erweitertes Führungszeugnis zu verlangen. Damit sollten einschlägig Vorbestrafte von der Kinder- und Jugendhilfe ausgeschlossen werden. Ärzte sollten ihre Schweigepflicht brechen und das Jugendamt einschalten können, wenn sie einen Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls haben. Behörden mit Befugnissen im Kinderschutz – wie etwa Jugendämter, Schulen, Schwangerschaftsberatungsstellen und die Polizei – sollten in einem Kooperationsnetz enger zusammenarbeiten.
Der Bundesrat forderte zudem die Bundesregierung auf, die Kindesrechte im Grundgesetz zu verankern und deren besonderen Schutz vor Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung zu betonen. In der Gesellschaft müsse das Bewusstsein dafür gestärkt werden, dass Kinder „eigene Grundrechte haben, die zu respektieren sind“, heißt es in einer am Freitag verabschiedeten Entschließung.
Quelle: Meldung von AFP (Agence France-Presse) vom 25.11.2011
Kinderschutzbund Schleswig-Holstein:
Betreuungsgeld setzt die falschen Anreize
Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein lehnt die Einführung eines Betreuungsgeldes ab. Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein Irene Johns nimmt zum Betreuungsgeld wie folgt Stellung:
„Wer die Chancen sozial benachteiligter Kinder verbessern will, setzt mit dem Betreuungsgeld die falschen Anreize. Richtig wäre es, Kinder und Eltern durch den Ausbau der frühkindlichen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsinfrastruktur und der Beratungs- und Bildungsangebote für Eltern zu fördern und zu stärken. Je früher ein Kind gefördert wird, desto höher sind seine Chancen, Bildung zu erwerben. Frühkindliche Bildung ist eines der Schlüsselfelder zur Gewährleistung gleicher Lebenschancen. In Deutschland ist der Zugang zu Bildungs- und Entwicklungsförderung ganz wesentlich abhängig von der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Eltern, ihrem Bildungsgrad und gegebenenfalls einer Migrationserfahru ng. Das Bildungssystem schafft bei uns bisher keinen Ausgleich.
Zahlreiche Kitas und Verbände aus Thüringen, wo 2006 ein Betreuungsgeld eingeführt wurde, berichten, dass viele Kinder abgemeldet wurden, die besonders von der intensiven Förderung profitiert hätten. Ähnliche Erfahrungen werden aus Norwegen berichtet. Neben einer hervorragenden Betreuungsinfrastruktur gibt es dort ein Betreuungsgeld, das in voller Höhe nahezu ausschließlich von bildungsfernen Familien und Familien mit Migrationshintergrund in Anspruch genommen wird. Diese Kinder profitieren daher nicht von positiven, integrativen Erfahrungen und einer besseren Sprachförderung. Einen finanziellen Anreiz zu geben, Kinder nicht in die Kita zu schicken, hält der Kinderschutzbund für falsch. Daher: ein klares Nein zum Betreuungsgeld.“
Quelle: Pressemitteilung des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein vom 22.11.2011
„MEHR Männer in Kitas“:
Am 4. November präsentierten sich die ESF-Modellprojekte „MEHR Männer in Kitas“ erstmals dem interessierten Publikum. Trotz des gleichen Ziels, mehr Männer für den Beruf des Erziehers zu gewinnen, könnten die Ansätze, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll, kaum vielfältiger sein.
Bundesweite Internetplattform: Das Nürnberger Modellprojekt stellte eine bundesweite Internetplattform vor, über die sich Männer unabhängig von Ort und Zeit mit Kollegen austauschen können. Sie wird noch dieses Jahr frei geschaltet. Themen wie Gender, männliche Identität oder Generalverdacht sollen hier von (angehenden) Erziehern diskutiert werden. Auch gemeinsame Positionspapiere der beteiligten Erzieher sollen auf der Plattform entstehen, wo sie dann veröffentlicht und der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Inhaltlich begleitet und co-moderiert werden die Nutzer von Prof. Dr. Roland Bader von der Hochschule HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Weitere Informationen unter www.mehrmik.de
Online-Mentoring: Ein Online-Mentoring bietet das Modellprojekt in Hessen und Nassau an. Erzieher in der Berufsanfangsphase, Praktikanten, FSJler oder Umschüler werden von erfahrenen Erziehern und Erzieherinnen persönlich und fachlich begleitet. Thema der Gespräche wird auch die Rolle als Mann in einer Kita sein. Durch diese Begleitung sollen die Kitas ihre männlichen Mitarbeiter dauerhaft halten und sie auf eine geschlechtersensible Pädagogik vorbereiten.
Weitere Informationen unter www.mikitas.de/index.php/projektbausteine/online-mentoring.html
Männer-Mobil: Das Modellprojekt im Westlichen Westfalen setzt auf ein Männer-Mobil, mit dem sie auf Tour geht und Schulen, Vereine, Veranstaltungen und öffentliche Plätze anfährt. Über das „Kontakthalteprogramm“ werden sich interessierte Jungen regelmäßig über ihre Erfahrungen austauschen. Weitere Informationen unter www.awo-en.de/MiK/maemo.htm
Schulbus: Mobilität steht auch im Vordergrund des länderübergreifenden Modellprojekts. Mit einem amerikanischen Schulbus sorgten sie bereits bei der „Taufe“ am 4. November für Aufsehen. Der Bus selbst ist mit vielfältigem Material zum Thema Berufsfindung und Gender ausgestattet und greift das Thema spielerisch, beispielsweise mit einer Quizshow, auf. www.bage.de/schoolbus/
Multimediale Kampagne „Vielfalt, Mann! Dein Talent für Hamburger Kitas.“: In der letzten Woche startete das Hamburger Modellprojekt eine multimediale Kampagne „Vielfalt, Mann! Dein Talent für Hamburger Kitas.“ Jungen werden in der Phase der Berufsorientierung über die Vorteile des Erzieherberufs informiert. Parallel dazu gibt es in den nächsten Monaten umfangreiche Aktionen, um das Berufsbild und die Arbeitsbedingungen zu verbessen. Ziel: Männer sollen vielfältig in den Kita-Alltag involviert und in Kita-Frauenteams erfolgreich integriert werden. Vielfalt steht auch auf den zur Kampagne gehörenden Plakaten im Vordergrund. Hier wird an die Talente appelliert, die Erzieher in die Kitas einbringen können: Künstler, Vorleser, Spieleentwickler und Rennfahrer sind genauso gefragt wie Trostspender, Philosophen, Clowns und Streitschlichter. Die interessierten Männer werden aufgefordert: „Sei alles, werde Erzieher!“. Weitere Informationen unter www.vielfalt-mann.de
Duale Ausbildung: Das Stuttgarter Modellprojekt entwickelt ein Konzept für eine duale Erzieher(innen)ausbildung, das ab Sommer 2012 erprobt wird. Theorie und Praxis wechseln sich im dreimonatigen Rhythmus ab, das Anerkennungsjahr ist integriert.
„Genderkoffer“: Das Wiesbadener Modellprojekt hat einen „Genderkoffer“ mit Materialien und Methoden zum Thema „Gender in der Kita“ entwickelt. Darin enthalten sind thematisch passende Kinderbücher, Spiele und Informationen für Erzieherinnen und Erzieher, aber auch für Mütter und Väter. Der „Genderkoffer“ wird jeder der am Verbund beteiligten Kindertagesstätten zur Verfügung gestellt. Dort wird er dann erprobt. Die Inhalte werden anschließend auf der Webseite zur Verfügung gestellt – so dass jede Wiesbadener Kita einen eigenen Genderkoffer erstellen kann.
Bildungsangebote, Kita als sicherer Ort: Bildungsangebote wie Seminare, Arbeitskreise und Fortbildungen für Fachkräfte, Eltern und Jungen bilden einen Schwerpunkt des Berliner Modellprojekts. Gemeinsam mit Fachleuten arbeitet es beispielsweise gerade am Konzept „Kita als sicherer Ort“, das ein Schutzkonzept für Kinder in Kitas und den Generalverdacht gegenüber Männern bezüglich sexuellen Missbrauchs behandelt. Ende November wird es ein zweitägiges Orientierungsseminar für Männer geben, bei dem sich die Teilnehmer über Ausbildung, Perspektiven, Hintergründe und Motive austauschen können. Weitere Informationen unter www.mann-macht-erziehung.de/
Veranstaltungen: Im Rahmen des Modellprogramms wird es in nächster Zeit weitere Veranstaltungen zu verschiedenen Aspekten des Themas geben. Ende November lädt das Nürnberger Modellprojekt zum Fachforum „Geschlechterdynamik in gemischten Teams – Herausforderung für Beratung und Begleitung“ ein. Anfang Dezember treffen sich Mitarbeiter/innen der Modellprojekte aus Berlin, Erfurt, Hamburg und Stendal zu einem Workshop, in dem ein Schutzkonzept für Kinder in Kitas entwickelt werden soll. Weitere Informationen unter www.koordination-maennerinkitas.de/Kalender
Dies sind nur einige, nicht vollständige Eindrücke aus der Arbeit der Modellprojekte. Mehr erfahren Sie auf unserer Website und auf den Websites der Modellprojekte. www.koordination-maennerinkitas.de/modellprojekte
Quelle: Newsletter der Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ vom 14.11.2011
Neuer Verband setzt sich für kinderreiche Familien ein
Deutschland ist nicht kinderfreundlich. Regelmäßig ist die größte Volkswirtschaft in Europa das Schlusslicht in Sachen Familie. Die Geburtenrate ist eine der niedrigsten, die Deutschen selbst schätzen sich als kinderunfreundlich ein. Dabei gehört Deutschland zu den reichsten Ländern der Erde. Auch die Privatvermögen steigen kontinuierlich. Eine Diskrepanz, die zunehmend auf Widerstand stößt.
Jetzt haben sich die kinderreichen Familien in Deutschland zu einem Verband zusammengeschlossen. Die Interessenvereinigung aller Familien mit drei und mehr Kindern wendet sich gegen die Diskriminierung des Lebensmodells kinderreicher Familien.
Dr. Elisabeth Müller, Vorstandsvorsitzende des Verbandes: „Wir wollen dafür kämpfen, dass Großfamilien in Zukunft weder als phänomenal noch als asozial angesehen werden, sondern einfach als normal. Auch kreist die Debatte über Familienfreundlichkeit in Deutschland immer wieder um Begriffe wie Finanzen und Betreuungsangebote. Das ist definitiv der falsche Ansatz. Niemand bekommt Kinder aus ökonomischen Erwägungen. Das macht auch niemand für die Gesellschaft, sondern allein für sich und seine Familie.“
Wie der Verband kinderreicher Familien die Rahmenbedingungen für eine kinderfreundlichere Gesellschaft beeinflussen will, zeigt Andreas Konrad, stellvertretender Vorsitzender auf: „Wir sind erst ganz am Anfang unserer Arbeit und wollen noch nicht an jeder Stelle provokante Forderungen an die Politik richten. Schließlich geht es um Dialog, nicht um Konfrontation. Für uns ist jedoch von Beginn an klar, dass solche Dinge, wie das Familiensplitting, die Anrechnung von Betreuungszeiten auf die Rentenansprüche sowie die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum steuerfreien Existenzminimum entschieden angefasst werden müssen.“
Für kinderreiche Familien selbst sieht sich der Verband als Austausch und Meinungsforum. Vielfältige Unterstützungs- und Beratungsangebote sollen folgen. So ist eine Karte „Familie 3+“ in Planung. Hiermit sollen unter anderem für die Mitglieder des Verbandes Rabatte und weitere Vergünstigungen bei Unternehmen möglich sein. Der Verband setzt dabei auf die Bereitschaft der Wirtschaft, sich durch vielfältige Unterstützung für eine gesellschaftlich wichtige Zielgruppe einzusetzen.
Quelle: Pressemitteilung des Verbandes kinderreicher Familien Deutschland e. V. vom 17.10.2011
Ethikrat informierte
über den aktuellen Stand der Arzneimittelforschung mit Kindern
Am 21. September diskutierte der Deutsche Ethikrat im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Forum Bioethik“ in Berlin mit Experten aus den Bereichen Medizin und Ethik die Frage, inwieweit die Arzneimittelforschung mit Kindern ethisch geboten oder bedenklich ist.
Kinder haben ebenso wie Erwachsene ein Recht auf eine angemessene und sichere Versorgung mit Arzneimitteln. Täglich werden jedoch Kinder mit Arzneimitteln behandelt, die nicht für sie zugelassen sind. Klinische Studien mit Kindern, die notwendig wären, um dieses Defizit zu beseitigen, sind indessen ethisch problematisch.
Einerseits ist von der Instrumentalisierung wehrloser Personen die Rede, die keine rechtswirksame Zustimmung geben können; andererseits koppele ein vollständiges Forschungsverbot gerade die Kinder von den Fortschritten in der Medizin ab. In dieser Frage zeichnet sich allerdings ein Paradigmenwechsel ab:
Der Ausschluss von Forschung mit Kindern mit der Begründung, sie vor der Forschung zu schützen, ist der Auffassung gewichen, Kinder durch Forschung zu schützen.
Im einführenden Vortrag berichtete Wolfgang Rascher, Vorsitzender der Kommission für Arzneimittel für Kinder und Jugendliche, über die Schädigung von Kindern durch die Verwendung von für sie ungeprüften Arzneimitteln. Durch die EU-Initiative „Better Medicines for Children“ aus dem Jahr 2002 und die jüngsten Novellen des Arzneimittelrechts seien auch schon erste Ansätze einer besseren Versorgung von Kindern mit geprüften Arzneimitteln zu beobachten. Die Zahl klinischer Studien mit Kindern steige insgesamt jedoch nur sehr langsam.
Angelika Eggert, Direktorin des Westdeutschen Tumorzentrums, berichtete über die Arzneimittelversorgung von Kindern in der pädiatrischen Onkologie. Sie konstatierte, dass der sogenannte Off-lable-Use von Medikamenten zur Tagesordnung gehört. Doch gerade in der Kinderonkologie seien in den letzten Jahren sehr gute Behandlungserfolge erzielt worden, da die meisten Kinder im Rahmen nichtkommerzieller multizentrischer Therapieoptimierungsstudien behandelt werden. Eggert bemängelte jedoch, dass die Entwicklung neuer Therapien zu langwierig sei. Sie plädierte für die Beseitigung administrativer Hürden bei der Entwicklung von Arzneimitteln, stärkere Anreize für die pharmazeutische Industrie sowie die Einrichtung von europäischen Netzwerken für die präklinische und frühe klinische Forschung.
Jochen Taupitz, Mitglied des Deutschen Ethikrates, erläuterte die rechtliche Situation der Arzneimittelforschung mit Kindern in Deutschland. Vor dem Hintergrund, dass die informierte Einwilligung des Betroffenen als zentrale Voraussetzung der Forschung im Falle von Kindern oft nicht oder nur schwer zu erreichen sei, habe das Arzneimittelgesetz Schutzkriterien für Minderjährige formuliert. Dazu zählten nicht nur die Nutzen-Risiko-Abwägung, die vorherige pharmakologisch-toxikologische Prüfung des Arzneimittels sowie die erforderliche behördliche Genehmigung und das positive Votum einer Ethikkommission, sondern auch auf das individuelle Selbstbestimmungsrecht bezogene Kriterien wie die Aufklärung und Einwilligung des Betroffenen bzw. seiner gesetzlichen Vertreter. Zu den bei Minderjährigen anzusetzenden Schutzkriterien gehörten außerdem das Erfordernis des unmittelbaren individuellen Nutzens für den Betroffenen und/oder für die Gruppe der Patienten, die an der gleichen Krankheit leiden.
Georg Marckmann, Direktor des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, erörterte im Anschluss daran die ethischen Aspekte der Forschung mit Minderjährigen. Mit Blick auf die Risiken, die mit dem Einsatz ungetesteter Medikamente verbunden sind, und die Notwendigkeit der Bereitstellung nützlicher Therapien seien Studien mit Kindern unverzichtbare Voraussetzung für wirksame und sichere Behandlungen und ein Verzicht auf Studien mit Kindern ethisch unvertretbar. Die Forschung mit Kindern sei jedoch insofern ethisch problematisch, als Kinder psychisch und physisch besonders verletzlich und nur eingeschränkt oder nicht einwilligungsfähig sind. Letztlich handele es sich hierbei um einen ethischen Grundkonflikt, der nicht auflösbar sei, sondern nur reguliert werden könne durch die Abwägung des Nutzen-Schaden-Verhältnisses, die informierte oder stellvertretende Einwilligung und das Kriterium der in erster Linie eigennützigen Forschung.
Claudia Wiesemann, Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen, ergänzte diese Überlegungen um empirische Daten aus Studien, die die Sicht der betroffenen Kinder und Jugendlichen und ihrer Eltern untersucht haben. Sie resümierte, dass Eltern, die über die Möglichkeit eines individuellen Heilversuchs unter Einsatz eines für diesen Zweck noch nicht erprobten Arzneimittels informiert seien, aufgeschlossener sind für die Beteiligung ihres Kindes an Medikamentenstudien. Außerdem seien Eltern auch unter Stressbedingungen einwilligungsfähig und -willig. Kinder wiederum zeigten ein differenziertes Urteilsvermögen hinsichtlich der Belastung durch Forschung. Wiesemann forderte weitere Untersuchungen zu Einstellungen von Kindern und Jugendlichen zur Forschung mit Kindern.
An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben den Referenten des Abends Siegfried Throm, Geschäftsführer des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen, und Dietrich Niethammer, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung für kranke Kinder Tübingen, teil.
Siegfried Throm zufolge stellt sich nicht die Frage, ob Studien mit Kindern durchgeführt werden dürfen – denn dies sei durch die Gesetzgebung definiert –, sondern nur noch die Frage nach dem Wie.
Für Dietrich Niethammer setzt das Gebot der Arzneimittelforschung mit Kindern ein sorgfältiges, auf die Risikominimierung ausgerichtetes Studiendesign ebenso voraus wie die hohe Verantwortung der beteiligten Forscher, Pädiater und Ethikkommissionen.
Gegenstand der weiteren, auch für das Publikum geöffneten Diskussion waren Fragen der Nutzen-Risiko-Abwägung, des Umgangs mit unterschiedlichen Meinungsäußerungen von Kindern und ihren Eltern und des Verhältnisses von eigennütziger und gruppennütziger Forschung.
Außerdem wurde die Frage aufgeworfen, inwieweit die Betroffenen und ihre gesetzlichen Vertreter angemessenen und verständlich aufgeklärt werden.
Interessenten können die einzelnen Beiträge nachhören und in Kürze auch nachlesen unter http://www.ethikrat.org .
Quelle: ots-Originaltext: Deutscher Ethikrat vom 22.9.2011
WDR schreibt Kinderrechte-Preis 2012 aus
Mit dem Preis werden Einzelpersonen (Erwachsene und Kinder), Gruppen und Organisationen sowie Institutionen aus Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet, die sich nachhaltig, vorbildlich und unkonventionell für Kinderrechte in Deutschland oder im Ausland einsetzen. Einsendeschluss für den mit 5.500 Euro dotierten Preis ist der 31. März 2012. Die Preisverleihung findet im September 2012 beim Kölner Weltkindertagsfest statt. Der WDR stellt die Arbeit der Preisträgerinnen und Preisträger in seinem Programm und in einer Broschüre vor.
Die Kinderrechte sind in der im November 1989 verabschiedeten UN-Kinderrechte-Konvention festgelegt. Mit der Preisverleihung soll die öffentliche Diskussion über die Rechte von Kindern auf Schutz, Entwicklung und Beteiligung verstärkt werden. Die Schirmherrschaft übernimmt der Kölner Musiker und Künstler Wolfgang Niedecken, der sich seit langem für Kinderrechte vor allem in Afrika einsetzt. Die Jury setzt sich zusammen aus Vertretern von Kinderorganisationen (UNICEF, Deutscher Kinderschutzbund, Deutsches Kinderhilfswerk, terre des hommes, Kindernothilfe, National Coalition für die Umsetzung der Kinderrechte), WDR Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz und dem Schirmherr Wolfgang Niedecken. Auch eine gleichberechtigte Kinderjury wird die Einsendungen prüfen.
Der WDR vergibt den Preis seit 1996. Zu den Ausgezeichneten zählen u. a. eine Gruppe behinderter Kinder, die sich für Kinder in Russland engagiert, und ein Verein, der für Flüchtlingskinder Lehrstellen und Projekte gegen sexuellen Missbrauch organisiert. Mit der Preisvergabe wurden diese Initiativen nicht nur ermutigt, sich weiterhin zu engagieren, zusätzlich wurde die öffentliche Diskussion über die Kinderrechte deutlich belebt.
Hintergrund für den seit 1996 vergebenen WDR-Preis ist die Tatsache, dass die UN-Konvention über die Rechte des Kindes noch immer vielen unbekannt ist. In der Konvention werden Kindern umfassende Bürgerrechte zugesichert und die Unterzeichnerstaaten zum Schutz der Kinder verpflichtet. Deutschland hat die Konvention 1992 unterzeichnet, doch zwischen formaler Akzeptanz und ihrer Verwirklichung besteht nach wie vor ein großer Unterschied.
Nähere Informationen zum Wettbewerb und kostenlose Faltblätter mit den Details gibt es beim WDR unter Telefon 0221-56789-555 oder per E-Mail an kinderrechtepreis@wdr.de und im Netz unter www.wdr.de/radio/home/kinderrechte. Wettbewerbseinsendungen gehen per Post an: WDR, Kennwort Kinderrechte, 50608 Köln
Quelle: ots-Originaltext: WDR Westdeutscher Rundfunk vom 8.9.2011
Titelthema: Anregendes für Vorschulkinder
P r e s s e m i t t e i l u n g
FLIMMO-Ausgabe 3/2011 jetzt kostenlos erhältlich
Titelthema: Anregendes für Vorschulkinder
München, 30. August 2011 – Inzwischen richten sich immer mehr Fernsehsendungen gezielt an Vorschulkinder. Und einige haben den jungen Zuschauern durchaus mehr zu bieten als oberflächlichen Spaß und seichte Unterhaltung. Bei Meister Manny erfahren die Kinder ganz nebenbei etwas über Freundschaft. Dora spricht mit ihnen Englisch. Kikaninchen fordert sie zum Mitmachen auf und beim Klassiker Die Sendung mit der Maus wird den jungen Zuschauern anschaulich die Welt erklärt.
Bei solchen Sendungen sind schon Vorschulkinder begeistert bei der Sache. Ihnen gefällt es, wenn sie ihren Alltag in den Geschichten wiederfinden oder erfahren, wie etwas funktioniert. Die Eltern sind zufrieden, wenn die Sendungen nicht nur unterhalten, sondern darüber hinaus auch ein gewisser Mehrwert zu erkennen ist. Gut zu wissen also, dass es im Fernsehprogramm für Vorschulkinder durchaus Sendungen gibt, die beidem gerecht werden: Den Ansprüchen der Eltern, aber auch dem Wunsch der Kinder nach Vergnügen und Unterhaltung. Besonders toll ist es, wenn die Eltern auch noch mit zusätzlichen Erklärungen zur Seite stehen und Dinge nachgebastelt oder selbst ausprobiert werden können. Denn dann fällt es den jungen Zuschauern viel leichter Zusammenhänge wirklich zu verstehen und vielleicht sogar das ein oder andere Wissenswerte zu lernen.
Im Laufe der Kindergartenzeit wird der Fernseher immer interessanter und die Eltern müssen entscheiden, was der Nachwuchs sehen darf. Damit ihnen die Auswahl leichter fällt, erklärt FLIMMO in der aktuellen Ausgabe, worauf es bei den Sendungen für Vorschulkinder ankommt und hat gleich noch ein paar besondere ausgewählt.
Die ganze FLIMMO-Broschüre gibt es jetzt auch als Download im Internet unter www.flimmo.tv
Kein Zeitgefühl – Warum Kinder in der Trotzphase häufig „gleich“ und „sofort“ verwechseln
Ab zwei Jahren entdecken Kinder ihren eigenen Willen – und stellen Eltern mit ihrem Trotz vor harte Bewährungsproben. Beispiel: eine eruptive Explosion, weil das Kleine vermeintlich zu lange warten muss.
Dem können Eltern vorbeugen: „Zeitliche Ankündigungen nicht zu früh machen, sonst wird die Wartezeit zu lang“, rät die Diplom-Psychologin Doris Heueck-Mauß aus München im Apothekenmagazin „BABY und Familie“. Kinder haben noch keine Vorstellung von Zeit. „Gleich“ heißt bei ihnen „sofort“.
Statt zu sagen: „Wir gehen gleich auf den Spielplatz“, lieber erklären, was man noch erledigen muss, bis es losgeht.
Quelle
Apothekenmagazin „BABY und Familie“
Hypoallergene Babymilch bringt nichts Expertin: Toleranz entsteht erst bei Kontakt mit Allergenen
Mit hypoallergener Babynahrung hofften Eltern bisher, das Allergierisiko ihres Kleinkindes nach Ende der Stillzeit zu senken. Außer einer Beruhigung der Eltern bewirken die Spezialprodukte jedoch nichts, zeigen australische Forscher. Wie sie im “Journal of Allergy and Clinical Immunology” berichten, haben hypoallergen gefütterte Säuglinge später genauso oft Allergien wie Kuhmilchtrinker – was auch für Kinder aus Risikogruppen gilt.
Kein Vorteil zu Kuhmilch
“Erst seit wenigen Jahren weiß man, dass die lange Vermeidung des Kontakts mit Allergenen langfristig kontraproduktiv ist. Wenn Kinder hingegen etwa eine steigende Dosis von Erdnüssen zu sich nehmen, kann ihr Immunsystem viel eher eine Toleranz entwickeln”, erklärt die Allergologin Fatima Ferreira von der Universität Salzburg http://www.uni-salzburg.at im pressetext-Interview. Die aktuelle Studie deute darauf, dass hydrolysierte Babynahrung keine derartige Toleranz erzeugt und somit auch keine Allergie-Prävention ist.
Die australischen Forscher um David Hill begleiteten 620 Kinder vom Neugeborenen-Alter bis zum Schuleintritt. Überprüft wurde in Allergietests, wie sich die gewählte Ernährungsform nach Ende der Stillzeit – zur Auswahl standen hypoallergene Produkte, Kuhmilch oder Babymilch aus Soja – auf die Ausprägung von Allergien auswirkte. Das Ergebnis: Für typische Reaktionen wie Ekzeme, Asthma oder Heuschnupfen machte es überhaupt keinen Unterschied, was die Kinder nach der Stillzeit bekommen hatten.
Bauernhof und Muttermilch
Schon ab dem vierten Lebensmonat sollten Kinder mit Allergie-auslösenden Nahrungsmitteln in Kontakt kommen, raten Kinderärzte (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20100906002 ). Nicht Babys in steriler Umgebung, sondern Bauernkinder sind am besten vor Allergien gefeit, wobei Forscher Bestandteile von Heustaub als Trainer des Immunsystems identifiziert haben (siehe: http://pressetext.com/news/20100720026 ).
(UPDATE 22.07., 9:10 Uhr) Als beste Prävention gilt jedoch weiterhin die Muttermilch. Wie Forscher um Agnes Sonnenschein-van der Voort vom Erasmus Medical Center http://www.erasmusmc.nl im “European Respiratory Journal” belegen, reduziert das ausschließliche Stillen sechs Monate nach der Geburt asthmatische Erscheinungen wie pfeifende Atemgeräusche oder Verschleimung im frühen Kindesalter deutlich. 5.000 Kleinkinder wurden dazu bis zum fünften Lebensjahr jährlich untersucht.
